Tag um Tag

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Re: Tag um Tag

Beitrag von Mia » Mi Jan 05, 2022 19:51

Hi, Toscanine, :smile:

Ich habe in meinem Leben nicht viel mitbekommen, von unseren östlichen Landesteilen. Aber ich war- mit offenen Augen! - da.

1983 besuchte ich, von Freunden in Westberlin aus, an mehreren Tagen Ostberlin.
Ich empfand das als regelrechtes Abenteuer in eine fremde Welt. (Natürlich flog ich aus einem Gärtnerladen raus, weil ich mich nicht, auf ein Körbchen wartend, vor der Tür angestellt hatte, auch gab es auf dem Alexanderplatz, den drei Essbude ( Erbsensuppe mit Würstchen) zugehörig, keine Toilette, so dass ich in Not geriet, und in Restaurants kam ich Bedürftige nicht rein, weil Schlangen davorstanden.... :shock: )

Zwei Jahre später machten wir Urlaub in der Lüneburger Heide. Irgendwie gelang es uns, auf eine Fähre über einen Fluss zu kommen, und diese zauberhaften Dörfer Deiner Heimat betreten zu dürfen. Man, man, man! Ich fühlte mich wie in ein Märchenreich versetzt!
Diese halbrotten, wunderschönen alten Dorfhäuser, diese schlechten Straßen, der Geruch nach Braunkohle, und überall diese dicken Storchennester auf den Schornsteinen! Üppig und wunderschön blühende Gärten! An allen Ecken hatten Leute kleine Regale mit Obst und Gemüse an den Straßen ausgelegt, an denen man blaue Pflaumen und rotbackige Äpfel und grüne Kohlrabi kaufen konnte.

1992 machten wir Urlaub auf einem Bauernhof in der Nähe von Schwerin. Wir sind mit dem Auto einen Teil der Ostseeküste heruntergefahren und auch ins Landesinnere. Ich sah diese riesigen LPGen mit deren scheußlichen Werkshäusern, ich sah diese schönen alten Städte am Meer, halbverfallen, und ich sah, wie die Wende bereits gegriffen hatte: In Schwerin hatten sie schon ganze Straßenzüge neu saniert und gestaltet, und zwar richtig, richtig teuer! Man konnte dort in Lokale und Cafés gehen, und deren Preise waren doppelt so hoch wie im Westen. *staun*

Du hast da ein wunderschönes Land, Toskanine. Ich freue mich, wenn es auch in den kleinen Ortschaften bei Euch wieder aufwärts geht (nicht nur in jenen, die um die größeren Städte liegen), diese nun auch eine gute Infrastruktur bekommen, und das Fortziehen gestoppt ist! Hoffentlich! :grin: :grin: :grin:

Freu Dich, dass Du noch so ein schönes Häuschen ergattert hast! :wink: Sonst werden die Entfernungen zur Arbeitsstelle aktuell noch weiter. :wink: Nee, freu Dich! Denn das ist Grund zur Freude!

Den Tipp bezüglich der Nachbarn nehme ich mal von Dir an: taube Ohren. :wink:

Mia
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Mia » Mi Jan 05, 2022 22:24

Carolyn hat geschrieben:Was die Prothese für das Kind angeht: Ich sehe das nicht so negativ wie Du. (...)Wichtig ist, wie das Umfeld dann damit umgeht. "Nur so bist Du richtig und normal" ist natürlich verkehrt. "So hast Du eine Möglichkeit mehr, wenn Du das willst" ist die bessere Herangehensweise. So kann das Kind lernen, dass für es beides normal sein kann, wenn es das will. Die Prothese ist dann ein praktisches Hilfsmittel, bei dem das Kind frei wählen kann, ob es sie nutzt oder nicht. Und DIESE freie Wahl würde (auch) ich dem Kind nicht vorenthalten wollen!
Ja. Alles gut und richtig, Carolyn! Aber nicht mit zweieinhalb Jahren!!!!!!!
Das Mädchen kann gerade erst seit 4 Monaten aufrecht laufen!
Dieses Kleinkind hat keinerlei Wahl, wenn die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern ihm so ein Ding am Arm befestigen!

Und sprechen kann ich mit denen nicht. Das ist auch wieder: hiesiges Dorf, was meinen aktuellen Zorn schürt. Als ich mein Haus verkaufte, hatte ich schon vorher gesehen, dass dieses schöne Haus hier (fast ) leer stand.
Haus 3 Kopie.jpg
Haus 3 Kopie.jpg (862.8 KiB) 934 mal betrachtet
Vorne hat es noch einen schönen Wintergarten, den man auf dem Foto nicht sieht. Na, vielleicht links ein bisschen, an der doppelten, zweiten, etwas zurückgesetzten Haushälfte.

Als ich um das Haus herumstrich, um durch die unteren Fenster hineinzulugen, kam eine Frau aus dem Nachbarhaus ( die Großmutter des einarmigen Kindes, etwa in meinem Alter) und rief mich an: "Was machen Sie hier?"
"Ich schaue mir das Haus an! Ich möchte hier einziehen!"
Sie: "Um Gotteswillen! Sie sind doch die Frau, die oben an der Desenbergstraße wohnt, mit dem netten weißen Hund?"
"Ja."
Sie: "Hier dürfen Sie nicht einziehen! Das ist ja der reine Siffstall! In dem Haus wurde seit Jahren nichts mehr gemacht! Da hausen Ratten und Mäuse!"
"Jupp," räumte ich ein, "aber schauen Sie hier mal durch die Fenster. Sehen Sie: dort steht doch ein Tapeziertisch! Die Wände sind frisch tapeziert! Und die Türen, die ich sehen kann, sind sie nicht frisch in lichtgrau lackiert?"
Sie: "Das heißt nichts! Die Hausbesitzer lassen alles verkommen! Wie sehr haben mein Mann und ich uns schon bemüht, das alte, schäbige Haus günstig zu erwerben, um es abreissen zu lassen! Und die Leute, die vorher unten gewohnt haben! Asoziale! Fünf Katzen hatten die! Die haben alles vollgeschissen! Und in der Garage hatten sie nur Müll gelagert! Ich habe Fotos gemacht! Soll ich die Ihnen mal zeigen? Ich hole sie!- Da wollen Sie doch wirklich nicht einziehen!"

"Nu", sagte ich, als sie die Fotos brachte, "das heißt nichts. Der Müll ist ja inzwischen weg und Katzendreck kann man auch saubermachen."
Jedenfalls, diese Frau, sie spricht noch mit mir. Ihr Mann allerdings, mit dem ich problemlos und gut reden konnte, solange ich noch ein Haus zu verkaufen hatte, behandelt mich seit den zwei Jahren, die ich hier wohne, als sei ich Luft.

Kurz und klein: die sind - seit langen Jahren - zerstritten mit den Besitzern des Hauses in dem ich wohne, und weil ich da wohne, bin ich zumindest, für den männlichen Teil der Familie, nun auch ein Underdog.
Da ein Gespräch anzuknüpfen, über die Prothese des Kleinkindes, ist völlig sinnlos.
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Tscharlie » Do Jan 06, 2022 08:03

Ja Dialekte können einem gefallen oder einen nerven.

In der Nachwendezeit sind ja viele Sachsen hier in Bayern "eingeschlagen". Und auch, dass meine Frau, als ich sie kennenlernte in Nürnberg gelebt hat, hat mich, der den Nürnberger Dialekt auch nicht mochte, gelehrt: Das sollte ich doch ändern können, jeder Dialekt hat doch seine Stärken, sicher auch seine Schwächen, aber er ist Ausdruck von Leben in einer Region.

Also habe ich mal genauer hingehört und mein Empfinden den Dialekten gegenüberhat sich tatsächlich verändert.

Ich hatte natürlich das Glück so eine Empfindungsveränderung schon mal durchgemacht zu haben. Ich war ja 1975-1990 für das Rote Kreuz in vielen Konzertsälen in München, zum Teil zweimal wöchentlich, da gab es natürlich auch Moderne Klassik, da habe ich gelernt, man kann lernen anderes hinzuhören.

Heute kann ich mich mit allen Menschen vorurteilsfrei unterhalten, egal welchen Dialekt sie auch immer sprechen.
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Carolyn » Do Jan 06, 2022 13:30

Mia hat geschrieben:
Mi Jan 05, 2022 22:24
Ja. Alles gut und richtig, Carolyn! Aber nicht mit zweieinhalb Jahren!!!!!!!
Das Mädchen kann gerade erst seit 4 Monaten aufrecht laufen!
Dieses Kleinkind hat keinerlei Wahl, wenn die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern ihm so ein Ding am Arm befestigen!
*lach* Im Gegenteil! Gerade dieses kleine Kind, das noch keinen rationalen Argumenten zugänglich ist, wird sich lautstark äußern und mit dem Ding gegen Möbel und Wände schlagen, wenn es ihm nicht passt! Macht es das lange genug, werden die Eltern einknicken und die Prothese wieder abnehmen, und sei es nur, um wieder ihre Ruhe zu haben. Gerade so kleine Kinder, die noch keine (falsche) Rücksicht auf ihre Umgebung nehmen, tun ihren Unmut doch sehr deutlich kund. :wink: Umgekehrt gewöhnen sich so kleine Kinder auch am leichtesten an Änderungen, weil Gewohnheiten noch nicht so fest eingefahren sind. Also hat gerade dieses kleine Kind am ehesten die Chance, sich vorurteilsfrei an die Prothese zu gewöhnen - und sie dann ggf. mit Wissen um die Vor- und Nachteile abzulehnen.
Cassi hat geschrieben:
Mi Jan 05, 2022 19:48
Carolyn hat geschrieben:
Mi Jan 05, 2022 19:11
In Städten mag das leichter sein als in Dörfern, aber ich gehe den genau entgegengesetzten Weg: Ich wohne nicht IM Dorf sondern zwei Kilometer außerhalb und habe daher meine Ruhe. (...)
Das ist natürlich auch eine Möglichkeit :wink: Aber dazu muss man die Ruhe und das Alleinsein schon sehr mögen. Wir sind hier, wo ich gerade wohne, gar nicht so weit entfernt von so einem Zustand, da ich auch etwas außerhalb der "typischen" Dörfer in einem extra Ortsteil wohne, wo nur wenige Menschen dauerhaft/ganzjährig wohnen. Aber noch weniger Menschen in der unmittelbaren Umgebung wäre nicht so mein Fall.
Ich bin hier aufgewachsen und mittlerweile SEHR fest verwurzelt. Daher bin ich es von klein auf gewöhnt. Für jemanden, der mit vielen Nachbarn aufgewachsen ist, ist das eher nichts, das ist klar. So wenig, wie ich mich in Mitten einer Siedlung wohl fühle, würde sich ein "Städter" hier wohl fühlen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. :wink: Mir sind manchmal sogar die Spaziergänger zu viel, die teilweise in gefühlten Scharen auf der Straße vorbei laufen. Mein Vater hat noch jedem Auto nachgesehen, das vorbei fuhr, weil er davon ausging, dass er den Fahrer doch kennen müsste. *g*
Aber ja: Wer die Freiheit liebt darf die Einsamkeit nicht fürchten. Ich fühle mich manchmal einsam, auch wenn das eher nichts mit meiner Wohnlage zu tun hat. Für alles zahlt man halt nunmal einen Preis. Und die Frage, ob ich mich so allein "da draußen" nicht fürchten würde, habe ich anfangs (nach dem Tod meiner Eltern 2005) SEHR oft gehört. *g*
Cassi hat geschrieben:
Mi Jan 05, 2022 19:48
Und ob mit oder ohne Gott ist dieser Spruch einfach eine tolle Richtschur, wo man im Leben hinkommen könnte. Denn wenn man das so geschafft hat, kann einen eigentlich nichts mehr richtig umhauen, denke ich. Aber bei mir persönlich ist der Weg dahin noch lang, befürchte ich :rolleyes:
Der Weg ist das Ziel, Cassi! Egal, wie alt und erfahren man ist, es gibt immer wieder Dinge und Situationen, die "durchschlagen" und die einen in die Knie zwingen. Mein innerer Giftzwerg kommt auch immer wieder mal durch. Aber ich habe auch gelernt, dass ich den zulassen muss, nur halt so, dass möglichst niemand anders darunter leiden muss. Erst wenn der "Sturm der Entrüstung" vorbei ist kann ich genügend Abstand gewinnen, um es zu durchdenken und zu akzeptieren. Das ist (ein Teil des) Leben(s). Erst wenn man tot ist hat man das Ziel erreicht. Und damit hat es doch noch Zeit, oder? :wink:
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Mia » Di Jan 11, 2022 19:58

Carolyn hat geschrieben:Und das Foto von "Deiner" Bäuerin, Mia - ein anderer Hut (oder besser ein Kopftuch) und ein gepflasterter Hof statt des Grases und es könnte meine Mutter sein! :mrgreen: Diese Kittelschürzen hängen immer noch im alten Bauernschrank, meine Schweater hat ein oder zweimal im Jahr sogar eine an, wenn sie ihr "Arbeitsgewand" vergessen hat.
Also, ich habe diesen Hof ---- geliebt!
Der alte Bauer war unmöglich, er war in der Lage alles 'kaputt zu reparieren' was er fand, die gute Frau Landwirtin hatte starke Diabetes, bisweilen tickte sie innerlich aus, weil sie ihre Diät nicht beachtet hatte und irgendwelche schädlichen Stoffe in ihr Überhand nahmen.
Sie fantasierte dann, und dann haben der Herr Landwirt und ich den Notarzt gerufen und sie ins Krankenhaus befördert. Das geschah aber sehr selten. In den vielen Jahren vielleicht drei Mal.
Ich habe sie sehr gemocht. Ich konnte nicht anders: ich habe sie gezeichnet und mit Aquarellfarben gemalt.
Bei den Katzen, bei den Hühnern, beim Füttern der Schweine. Ich habe ihr alle Blätter geschenkt - und sie hat sich riesig darüber gefreut.

Es waren herzliche, sehr gute Menschen.
Sie hatten auch einen Knecht, der hieß Rolli. Ein ehemaliger Bergmann, dessen Zeche dichtgemacht hatte und er verblieb mit einer winzigen Übergangspension - bis zur Rente. Rolli hatte auch einen Hund, eine schwarze, große Hündin, die er abgöttisch liebte. Sally hieß die. Er teilte mit ihr sein letztes Butterbrot, aber nicht ER aß die Leberwurst, die darauf war, sondern Sally bekam sie.

Rolli trieb sich in seiner freien Zeit bei den Obdachlosen und Pennern am Bahnhof herum.
Sally war ein rechtes Kind dieser Szene: eine Hündin, unendlich geliebt, völlig verbunden mit ihren Leuten, von Herzen her NUR gut, sanft, treu, Rolli ständig - freilaufend- folgend.
Wie gut, dass Niedersprockhövel zu dieser Zeit keinen Leinenzwang kannte!!!!!

( Ich habe hier, in Warburg, erlebt, dass sie einem ähnlichem Menschen wie Rolli dessen Hund weggenommen und ihn in ein Tierheim gesteckt haben, weil sie der Meinung waren, das "etwas asoziale" Herrchen könne nicht für die Hündin sorgen. - Furchtbar!)
Jedenfalls, als Sally an Altersschwäche starb, lag Rolli wochenlang auf ihrem Grab, hinten in unserem Garten, unter einem Holunderbusch, und weinte. Tag für Tag weinte er.

Es ist aber alles gut geworden, mit Rolli. Irgendwie suchte die Frau eines reichen Steuerberaters einen Helfer, der auf ihre vier Pferde und ihre drei Hunde aufpassen sollte.
Rolli wurde nun morgens mit einem Wagen abgeholt, er bekam Arbeitskleidung - und er wurde dort geliebt! Ich weiß es, denn ich war wegen eines anderen Hundes, den die Frau adoptieren wollte, einige Tage stundenweise dort.

Naja. Meine beiden Bauersleute sind dann gestorben. Der große Hof ist danach abgebrannt. Ich vermute, per "thermischer Entsorgung".
Der Bauer hatte noch eine Schwester, und die hatte erwachsene Kinder. Ich denke, es war kostengünstiger, die großen Gebäude anzuzünden, als sie ordentlich zurückzubauen...
Was übrig bleibt ist alles Bauland, und zwar sehr großzügig, im "Sahneviertel" der kleinen Stadt.
Wie gut, dass ich das nicht mehr gesehen habe!!!!!!!!!!!!!

Jedenfalls, das waren Menschen, die sich NICHT dem Dorfgeschwätz hingaben. Sie waren nicht reich, aber es waren gute Leute.

Ich werde jetzt langsam alt, und ich muss mein neues Heim so aussuchen, dass ich fußläufig einiges erreichen kann: Läden des täglichen Bedarfs, Ärzte, und vor allem eine Bushaltestelle in der Nähe ist ein absolutes MUSS! Gerne nehme ich auch noch eine Kneipe und ein gutes Restaurant. Es geht mir nicht darum, städtisch zu wohnen, aber diese Grundbedingungen sollten erfüllt sein, damit ich auch in zehn Jahren meine Bedürfnisse, eventuell am Rollator, noch selber regeln kann. :wink:

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Re: Tag um Tag

Beitrag von Tscharlie » Di Jan 11, 2022 20:27

Ich denke die Menschen waren reich.

Reichtum was ist das wohl?

Vielleicht sein Leben leben dürfen in aller Unwägbarkeit, in aller Unstimmigkeit, im eigenen Dasein.
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Mia » Di Jan 11, 2022 20:48

Jupp!
Ich danke Dir, Tscharlie. :smile:
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Carolyn » Fr Jan 14, 2022 16:46

Mia hat geschrieben:
Di Jan 11, 2022 19:58
Sie waren nicht reich, aber es waren gute Leute.
Dieser Satz erinnert mich an den Freundeskreis meiner Eltern, er passt auf diese Menschen. Ja, es war auch einer dabei, der zeitlebens als Knecht gearbeitet hat und entsprechend arm an Geldmitteln war. Wenn zum Geburtstag (oder Namenstag, das war aber eigentlich egal) eingeladen war, dann kam von ihm als Geschenk z.B. die letzte große Dahlienblüte aus seinem Garten. Oder von seiner Frau ein Weihwasserschüsselchen zum an die Wand hängen mit dem Bild der heiligen Theresia darauf (meine Mutter hieß Theresia), gekauft auf dem Flohmarkt für maximal eine Mark oder später fünfzig Cent - für mehr kaufte sie nie ein auf dem Flohmarkt. Aus so einem Geschenk ist auch die Eibe gewachsen, die neben meiner Bauernrose steht. Und das kleine Männchen, aus braunweißbunten Schafwollresten gefilzt, sitzt heute noch auf der Ablage in meinem Bad.

Leider leben nur noch die Jüngsten aus diesem Kreis - meine Eltern wären heuer 90 geworden. Es waren gute Leute, brave Leute. Nicht reich an Hab und Gut aber reich an Herz und (Lebens-)Mut. Von diesen Menschen könnte sich so manch einer in unserer (an Geld) reichen westlichen Gesellschaft eine Scheibe abschneiden.


Es gibt übrigens auch den Fall, dass z.B. Obdachlose extra unterstützt werden, damit sie ihren Hund ernähren können, weil er die einzige soziale Bindung ist, die sie haben und die sie am Leben erhält. Es dringt doch immer öfter durch, dass der Mensch nicht "vom Brot allein" lebt. Es gibt z.B. auch Tierfutter bei den Tafeln. Aber wie immer dringt so eine Erkenntnis nie zu allen Menschen und Entscheidern durch.

"Die Gesellschaft ist wie eine Welle, sie selbst bewegt sich vorwärts, nicht aber das Wasser, aus dem sie besteht." (Hängt zu Hause an meiner Pinnwand, den Autor weiß ich aber nicht auswendig.)
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Tscharlie » Fr Jan 14, 2022 18:11

Es gibt einen jungen Mann, Namen habe ich leider vergessen, er ist mit einem Musikinstrument um die Erde gereist, ohne Geld, er hat mit seinem Spiel auf der Straße sein Leben finanziert. In einem sehr armen Land in Asien hat er das Problem gehabt, dass sein Hut die Geldscheine gar nicht fassen konnte, ein Gemüsehändler hat ihm eine Schachtel gegeben damit er das Geld einsammeln kann. Klar das waren Scheine von ganz geringem Wert, aber für die Menschen die gegeben haben war es viel. Der Musikant konnte damit sein bescheidenes Leben weiterführen.

Das hat Weltumspannend mehr oder weniger gut funktioniert, nur in Las Vegas konnte er keine Einnahmen erzielen.

Wer arm ist, kennt das und versucht Menschen zu unterstütze denen es nicht gut geht.

Wem es zu gut geht, der versteht eigentlich gar nichts.
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Mia » Fr Jan 14, 2022 18:29

Carolyn hat geschrieben:Es gibt übrigens auch den Fall, dass z.B. Obdachlose extra unterstützt werden, damit sie ihren Hund ernähren können, weil er die einzige soziale Bindung ist, die sie haben und die sie am Leben erhält. Es dringt doch immer öfter durch, dass der Mensch nicht "vom Brot allein" lebt. Es gibt z.B. auch Tierfutter bei den Tafeln. Aber wie immer dringt so eine Erkenntnis nie zu allen Menschen und Entscheidern durch.
Jupp. Das ist hier in Warburg garantiert noch nicht angekommen.

Rolli hat nie um öffentliche Hilfen ersucht. Er hatte seine Winzpension und etwas Geld vom Bauern; seine Arbeit auf dem Hof galt weitgehend gegen Kost und Logis. Sally, die Hündin, war dabei eingeschlossen.

Heute habe ich den Bruder einer Freundin - Angelika- kennengelernt. Auch wieder so ein lieber, rundherum warmherziger Mensch! Wir beide kümmern uns in letzter Zeit ( unabhängig von einander) sehr um sie, denn ihr Mann ist schwer erkrankt und seine Lebenszeit ist kippelig. (Aufgabenteilung: Er sorgte darum, dass sie ein Auto bekam, ihre Tochter regelt das ganze Schreibgewirre mit den Krankenkassen, das Beantragen von Geldern, ich übernahm in letzter Zeit Fahrten mit ihr: zum Arzt, einkaufen, etwas vorkochen, damit sie was hat.)

Als wir heute zu dritt beieinander saßen, habe ich den Stab für mich über Warburg und den ländlichen Kreis hier gebrochen. Ich habe hier nur wenige Menschen kennengelernt, die ich Freunde nennen könnte, die meine offene Art teilen.
Die meisten, habe ich heute laut gedacht, leben hier noch in einer Zeit vor 50 Jahren.
Ihre Gedanken sind von Neid und auch Hass auf ihren Nächsten bestimmt.
Es fällt ihnen nur nicht auf, weil weitgehend ALLE so sind.

Ich kopiere hier nochmal einen Teil des Textes rein, den ich weiter oben schrieb:

Ausgangspunkt: Ich hatte ein hübsches Haus gesehen, in dem Wohnungen leer waren.

Als ich um das Haus herumstrich, um durch die unteren Fenster hineinzulugen, kam eine Frau aus dem Nachbarhaus ( die Großmutter des einhändigen Kindes, etwa in meinem Alter) und rief mich an: "Was machen Sie hier?"
"Ich schaue mir das Haus an! Ich möchte hier einziehen!"
Sie: "Um Gotteswillen! Sie sind doch die Frau, die oben an der Desenbergstraße wohnt, mit dem netten weißen Hund?"
"Ja."
Sie: "Hier dürfen Sie nicht einziehen! Das ist ja der reine Siffstall! In dem Haus wurde seit Jahren nichts mehr gemacht! Da hausen Ratten und Mäuse!"
"Jupp," räumte ich ein, "aber schauen Sie hier mal durch die Fenster. Sehen Sie: dort steht doch ein Tapeziertisch! Die Wände sind frisch tapeziert! Und die Türen, die ich sehen kann, sind sie nicht frisch in lichtgrau lackiert?"
Sie: "Das heißt nichts! Die Hausbesitzer lassen alles verkommen! Wie sehr haben mein Mann und ich uns schon bemüht, das alte, schäbige Haus günstig zu erwerben, um es abreissen zu lassen! Und die Leute, die vorher unten gewohnt haben! Asoziale! Fünf Katzen hatten die! Die haben alles vollgeschissen! Und in der Garage hatten sie nur Müll gelagert! Ich habe Fotos gemacht! Soll ich die Ihnen mal zeigen? Ich hole sie!- Da wollen Sie doch wirklich nicht einziehen!"

"Nu", sagte ich, als sie die Fotos brachte, "das heißt nichts. Der Müll ist ja inzwischen weg und Katzendreck kann man auch saubermachen."
Jedenfalls, diese Frau, sie spricht noch mit mir. Ihr Mann allerdings, mit dem ich problemlos und gut reden konnte, solange ich noch ein Haus zu verkaufen hatte, behandelt mich seit den zwei Jahren, die ich hier wohne, als sei ich Luft.

Kurz und klein: die sind - seit langen Jahren - zerstritten mit den Besitzern des Hauses in dem ich wohne, und weil ich da wohne, bin ich zumindest, für den männlichen Teil der Familie, nun auch ein Underdog.


Also: solche Feindschaften werden hier auf dem Dorf genährt! Mich erinnert das durchaus an meine Kindheit, in einem Dortmunder Vorort, und zwar vor 50 Jahren!
Mutter, damals, zu mir: "Die Höttemann'sche guckt schon wieder aus dem Fenster! Die will uns ausspionieren! Zieh dich gut an, wenn du rausgehst! Gib ihr nichts zu denken! Die "Eine" bezahlt ihre Miete ja nicht. Das müssen Höttemanns aber nicht wissen! Ihr Kerl, der alte Höttemann, ist ja mit der Bärbel durchgebrannt! So ein Pack! Na, die "Eine", die werde ich schon unter Druck setzen! Selbst wenn ich, als Vermieterin, ihre Toilette nicht repariert habe! Sprich bloß mit keinem von den Nachbarn darüber, denke daran: Blut ist dicker als Wasser! "

Man, ey!
Sowas muss heutzutage nicht mehr sein, ja? Ich komme mir hier wirklich vor - wie in die Vergangenheit versetzt.
Außerdem: Wer hat das Recht, sich über 5 Katzen zu beklagen und dazu noch FOTOS zu machen, über Unordnung, in einer Garage, die ihm persönlich nicht zusagt, und diese Fotos dann auch noch herumzuzeigen?

Mia
Zuletzt geändert von Mia am Fr Jan 14, 2022 22:37, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Tscharlie » Fr Jan 14, 2022 19:15

Menschen die mit sich selbst nicht zurechtkommen, müssen leider ihren Blick nach außen wenden. Ein Blick in die eigene Persönlichkleit würden sie nicht aushalten.

Wie gut haben es doch die Tiere und Pflanzen, die müssen sich über sich selbst keine Gedanken machen, daher gibt es im Tier und Pflanzenreich auch keinen Neid und keine Unverständnis.

Man kann aber selbst lernen mit den Menschen Geduld zu haben, denn ändern kann man sie ja nicht. Ändern kann ausschließlich jeder Mensch nur sich selbst.
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Re: Tag um Tag

Beitrag von Mia » Sa Jan 15, 2022 16:04

Na, ich hake es jetzt ab und verbuche es unter "erlebte Geschichten".
Tut mir leid, wenn ich Euch mit meiner Stöhnerei genervt habe.
Meine Vermieterin mischt da übrigens auch noch mit.
Sie ruft mich schon nicht mehr an, weil sie gemerkt hat, dass mir ihr ständiges Gerede über meine Nachbarn - und ihre Warnungen vor ihnen- auf den Keks gehen.

Bei sich daheim hat sie auch noch so einen Vogel, der ist Opernsänger, von dem sie annimmt, dass er sie abhört und mit dem Fernglas beobachtet. Wenn sie anruft und beginnt mit: "Also der Ooooopernsänger....", weiß ich schon, was die nächste halbe Stunde Gespräch inhaltlich bedeutet.

So. Und jetzt Feierabend damit!

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