Junge Tomatenpflanzen überwintern

Gemüse, Salate, Kräuter, Heilkräuter, Gewürze und Pilze

Moderatoren: Carolyn, Bio-Gärtner

Antworten
Lisa1
Rasenmäher
Rasenmäher
Beiträge: 2
Registriert: Do Aug 29, 2019 08:38
Antispam-Sicherheitsabfrage: 63

Junge Tomatenpflanzen überwintern

Beitrag von Lisa1 » Do Aug 29, 2019 11:39

Liebes Forum, :smile:

ich habe in diesem Jahr mit dem Hobbygärtnern angefangen und bräuchte jetzt mal Tipps von erfahrenen Gärtnern.

Ich habe einige meiner Beete mit Erde aus dem Komposthaufen vom letzten Jahr aufgefüllt. In meinem Salatbeet kamen dann kleine Pflänzchen, die ich erst für Blumen hielt und in ein anderes Beet versetzt habe.

Dort sind sie fröhlich und zügig gewachsen und ich vermute nun, dass es eigentlich kleine Tomatenpflanzen sind.

Macht es überhaupt Sinn die Pflanzen zu dieser Jahrezeit weiter zu pflegen? Besteht die Möglichkeit sie zu überwintern?

Sie gedeihen so wunderbar und es würde mir leid tun, wenn ich sie in ein paar Wochen auf den Kompost schmeißen müsste. :cry:

Ich freue mich über Tipps oder Erfahrungswerte
tomaten.jpg
tomaten.jpg (277.89 KiB) 691 mal betrachtet

Mia
Bio-Genie
Bio-Genie
Beiträge: 2865
Registriert: Fr Jun 04, 2010 22:27
Antispam-Sicherheitsabfrage: 63
Wohnort: östliches NRW
Geschlecht:

Re: Junge Tomatenpflanzen überwintern

Beitrag von Mia » Do Aug 29, 2019 14:27

Hallo Lisa, :smile:

ja, es sind Tomaten, aber überwintern kannst Du sie eigentlich nicht.
Jetzt bin ich persönlich Experimenten gegenüber nicht abgeneigt, also: Du kannst es versuchen.
Ich habe auch schon mal versucht, eine Auberginenpflanze zu überwintern. :roll: Was auch nicht ging... :doh:

Jetzt, warum ist das schwierig? Tomaten sind Kinder des Lichtes, der Wärme und des Windes.
Wenn nur eine dieser Komponenten fehlt, gibt es Probleme.
Allein schon im deutschen Garten tun sich viele Tomaten schwer, überhaupt zu Früchten zu kommen, jedenfalls in normalen, sprich: in durchwachsen regenreichen Sommern.

Jetzt ist die Frage, wo bekommst Du über den Winter das Licht eines warmen Julitages her?
Das ginge eventuell mit künstlicher Beleuchtung...
Übermäßig warm muss es im Winter nicht sein, ein heller, kühler Flur würde reichen, wo man an frostfreien Tagen auch mal gut durchlüften kann. Dazu das künstliche Licht darüber aus LEDS für Pflanzen, die werden nicht heiß.
Also, das könnte klappen.

Nun ist aber das Problem, dass Tomaten durchaus mitkriegen, wenn sie nur etwas falsch stehen.
Eine normale Zimmerüberwinterung ist im Grunde nicht zu machen.
Ist es zu dunkel, werden sie geilwüchsig, gelblich, schießen ins Kraut und kippen um; gibt es Kältebrücken, z.B. an einem ( gutgemeinten!) Südfenster, werden sie krank. Mit Kältebrücken meine ich: von hinten ( also da, wo Du vom Zimmer aus draufguckst) hat die Tomate meinetwegen die normale Zimmerwärme, aber durch die Fensterscheibe atmen natürlich die kalten Tage und die Frostnächte im Winter. So ist die Tomate an einem solchen Standort zwei verschiedenen Temperaturen ausgesetzt: hinten warm, vorne hingegen, in Scheibennähe, kann es Nächtens tief heruntergehen. Nicht nur das: hinten ist die warme Heizungsluft in der Regel trocken, die Scheibe hingegen atmet Feuchtigkeit. Es ist also auch noch ein Trocken-Feuchtgefälle da.
Bei einem Südfenster kommt auch noch- selbst im Winter - für wenige Stunden am Tag eine starke, warme Sonneneinstrahlung hinzu. Den Rest des Tages aber, reicht die tiefstehende Sonne als Lichtspenderin nicht aus. Für das gesunde Gedeihen der Pflanzen sollten es eben nicht nur drei Stunden gutes Licht sein, sondern acht oder zehn. *

Solche Wechselbäder halten die Pflanzen in der Regel nicht lange aus. Das mindeste, was sie bald kriegen, sind Spinnmilben, gelegentlich auch weiße Fliegen.
Obwohl eine Aubergine deutlich härter ist als Tomaten, starb die mir auch an Spinnmilben. Chilis kann man eher überwintern. Aber auch bei diesen können Spinnmilben auftreten, die sie hinwegraffen. Andere Leute klagen im Winter auch über Blattläuse, über Woll- und Schmierläuse, die ich gottseidank noch nie hatte.

Bei Chilis ist es so, dass sie im Winter besser etwas kühler, aber möglichst sehr hell stehen.
Das würde ich auch für Deinen Tomatenversuch empfehlen ( siehe oben). Ein relativ kühler Raum ( Kühle stoppt das Wachstum) und gleichzeitig künstliches Licht von oben.
Der Raum sollte lüftbar sein! Immer mal wieder gut durchlüften, aber darauf achten, dass das Temperaturgefälle nicht zu groß ist, sonst kann es sein, dass die Blätter - trotz genügend Bodenfeuchte - hängen oder absterben.

Also, was Du vorhast, das ist schon 'hohe' Kunst. :wink:

Viel Glück damit!
Mia

Und berichte doch bitte weiter!!!!!

Ps.: Habe oben noch ein Sternchen gesetzt, als Erinnerungsmarker für mich.
Hier kommt die Erklärung *:

Falls sich unter der (gut gemeinten) Südfensterbank noch eine Heizung befindet, wird die Sache einerseits noch komplizierter, anderseits einfacher: Du kannst und solltest die Pflanzen unter solchen Bedingungen jetzt in ein möglichst hohes Aquarium setzen. Das nimmt die trockene Heizungsluft von unten und hinten weg, und schützt auch zur Scheibe hin vor tief niedersinkenden Temperaturen. Damit hast Du schon mal einen kleinen Gewächshausaspekt erreicht, das Licht aus Pflanzenleds ( kosten nicht viel) obendrüber ist aber unersetzbar!
Und, was bei dieser Geschichte fehlt, ist der Wind, denn Tomaten mögen und brauchen frische Luft!
Aber: das mit dem Aquarium ist auch eine Option!
Zuletzt geändert von Mia am Do Aug 29, 2019 16:32, insgesamt 1-mal geändert.
Ich möchte so ein guter Mensch werden, wie meine Hunde von mir glauben, dass ich es bin.

Benutzeravatar
Hapy
Gartenprofessor
Gartenprofessor
Beiträge: 148
Registriert: Mo Sep 19, 2016 22:26
Antispam-Sicherheitsabfrage: 63
Wohnort: Klimazone 6b / Naturraum 05

Re: Junge Tomatenpflanzen überwintern

Beitrag von Hapy » Do Aug 29, 2019 15:45

Ich sehe zuerst mal drei Probleme:

Wie Mia schreibt ist es das Licht, das im Winterquartier fehlt und ein möglicher Schädlingsbefall, z.B. mit weißer Fliege. Die hat meine Tomaten auf dem Balkon bereits entdeckt.

Das dritte Problem, das ich sehe, ist, dass sich Deine Pflanzen ausgepflanzt im Beet befinden. Willst Du sie ins Haus holen, dann musst Du sie ausgraben und in Töpfe setzen. Das ist bei großen Pflanzen natürlich problematisch. Die Tomatenstängel brechen oder knicken beim Handhaben sehr leicht. Du müsstest sie also früh in Töpfe setzen, um sie dann ins Haus holen zu können. Was sicher gehen sollte, ist, die Pflanzen für zwei Monate ins Haus zu holen, um die grünen Früchte am Strauch nachreifen zu lassen.

Hapy

Lisa1
Rasenmäher
Rasenmäher
Beiträge: 2
Registriert: Do Aug 29, 2019 08:38
Antispam-Sicherheitsabfrage: 63

Re: Junge Tomatenpflanzen überwintern

Beitrag von Lisa1 » Fr Aug 30, 2019 11:29

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen und meine Frage so ausführlich beantwortet habt! :smile:

Ich habe jetzt eine gute Vorstellung von den Schwierigkeiten bei der Überwinterung und kann mir überlegen, ob bzw. wie ich das Projekt angehen werde. Ich denke ich werde die Pfänzchen in den kommenden drei bis vier Wochen einfach mal beobachten und dann anhand ihrer Größe und ihres Zustandes entscheiden, ob ich sie reinhole. Wir haben jedenfalls einen Wintergarten mit viel Licht, wo sich eventuell in Heizungsnähe ein Plätzchen anbieten würde. :smile:

Mia
Bio-Genie
Bio-Genie
Beiträge: 2865
Registriert: Fr Jun 04, 2010 22:27
Antispam-Sicherheitsabfrage: 63
Wohnort: östliches NRW
Geschlecht:

Re: Junge Tomatenpflanzen überwintern

Beitrag von Mia » Fr Aug 30, 2019 15:04

Na, ein Wintergarten, Lisa, :smile:
ist ja schon mal super!

Eben sah ich in der Aldiwerbung, die bieten für nächste Woche eine höhenverstellbare LED-Pflanzenleuchte für rund 34 Euro an. Ich habe nicht genau geguckt, und auch nicht geschaut, ob die Lampe was taugt, ich musste nur spontan an Dich denken.
Auch im Wintergarten brauchst Du für die Tomaten- in der dunklen Jahreszeit - mehr Licht.

Lieben Gruß und gutes Gelingen!

Mia
Ich möchte so ein guter Mensch werden, wie meine Hunde von mir glauben, dass ich es bin.

Antworten