Waldameisen im Haus?

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Waldameisen im Haus?

Beitrag von admin » Fr Jun 11, 2021 11:31

Hallo zusammen,
Eine nette (leider etwas verzweifelte) ältere Dame hat mich gerade angerufen.

Ihr Haus wird intensiv von Waldameisen belagert und sie sagt sie hätte schon viel probiert.

Unser Artikel ist nicht allzu spezifisch : https://www.bio-gaertner.de/Pflanzenkrankheiten/Ameisen
Mehr evtl. hier: https://www.rentokil.com/de/ameisen/hau ... n-ameisen/

Hat jemand Ratschläge?
Grüsse vom Admin
www.bio-gaertner.de

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Tscharlie
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Re: Waldameisen im Haus?

Beitrag von Tscharlie » Fr Jun 11, 2021 15:12

Wir vertreiben sie mit einem Gemisch aus Zitronenöl, Zimtöl, Unireiniger und Wasser.
Sie sind nicht ganz weg, aber gut unter Kontrolle.

Die Zugänge ins Haus muss man finden und schließen, denn wenn die Späher eine Nahrungsquelle im Haus gefunden haben, werden sie die Arbeiterarmee informieren wo was zu holen ist.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. M.Ghandi

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Re: Waldameisen im Haus?

Beitrag von Mia » Fr Jun 11, 2021 17:36

Hi, Admin.

Waldameisen werden es nicht sein. Die leben im Wald und bauen sich hohe Hügel aus feiner Erde und Nadelstreu. Die haben kein Interesse in Häuser zu gehen, dazu ist ihre Lebensweise im (sauber konstruierten) Hügel zu sehr von anderen Ameisenarten verschieden.

Es werden normale Wegameisen sein, vielleicht auch Holzameisen. ( der Mann in dem link, den ich unten angebe, nennt sie: kleine, rotrückige Hausameise, wir meinen aber vermutlich ähnliche Tiere.)
Beide Arten suchen sich von außen Zugang zu bevorzugt alten Häusern. Erstere gehen durch den Putz zwischen den gemauerten Steinen, und kommen in Räumen unter Fußleisten hoch.
Bisweilen auch unter Fenstern, wie mir eine Freundin berichtete.

Die zweite Sorte geht bevorzugt durch Lehmputz ( Fachwerkhaus), und besiedelt die Holzbalken, die das Haus tragen. Sie können willkürlich irgendwo aus der Wand kommen, dort, wo der Innenputz bröckelig ist, meist auch eher unten, wo ein Holzfußboden an Wände stößt, und seit Jahr und Tag Wischwasser in die Ritzen lief.

Ich hatte beide Sorten: im gemieteten alten Fachwerkhaus Nr. 2, die Holzameisen, im Haus meiner alten Mutter die Sorte Nr.1.

Ich habe den Eindruck, Holzameisen sind relativ leicht beherrschbar. Ich habe nie große Ameisenstraßen von denen in der Wohnung erlebt. Wohl aber waren im Mai/Juni, meine Küchenfenster bisweilen schwarz-weiß von hunderten, ja tausenden, fliegenden, dunklen Ameisen mit weißen Flügeln. Das sind die Jungköniginnen mit ihren Männchen, die sich auf Hochzeitsflug begeben. Die können nur von innen an den Scheiben sitzen, wenn sich ein Ameisennest in der Wohnung befindet!
Also: Fenster auf! Mit dem Staubsauger ran - und die Tüte mit den lebenden Insekten draußen ausgeleert. Das macht man bei dieser Sorte jedes Jahr einmal- und gut ist.
Das ganze weitere Jahr über sind mir diese Ameisen nicht weiter aufgefallen.

Jetzt hatten wir das Haus natürlich auch von innen renoviert: Wände neu verputzt und gestrichen, zum Teil neue Fußböden gelegt...
Bei dieser Art von Ameisen, die in altem Holz leben, ist es wichtig, dem Wandputz Aufmerksamkeit zu schenken, ggf. brüchige Stellen neu zu verputzen, und ggf. Silikon in die Ritzen zwischen Fußboden und Wand zu geben, damit sie nicht mehr heraus kommen können.
Hier der link: https://www.youtube.com/watch?v=-V1j90_jQMk

So. Nun kommen wir zu der normalen Wegameise.
Dazu muss ich eine kleine Geschichte erzählen. Meine Mutter war etwa 89, und ich war ( neu) zu ihr hingezogen, weil sie auf Dauer Hilfe brauchte. Ich wohnte aber in einen komplett abgetrennten Teil des Hauses, mit eigenem Eingang.
Sie hatte auch ( durch mich neu organisiert) einen freundlichen 'Putzmann', der gleichzeitig die Funktion erfüllte, mit ihr Kaffee zu trinken und Gesellschaftsspiele zu spielen.
Nun, der klingelte eines Morgens, es mag um diese Jahreszeit gewesen sein, bei mir.
Er, aufgeregt: "Um Himmelwillen! Ich kann da nicht putzen und wischen! Der ganze hintere Flur und die Küche ist voller schwarzer Ameisen! Ich kann da doch nicht REINgreifen!"
Ich: "Immer mit der Ruhe!" - Und ging hinüber.

Die alte Mutter stand auch schon im hinteren Flur, sicherheitshalber ( so schien es mir) auf einem Höckerchen, von Ameisen umringt. Das Höckerchen hatte aber noch eine andere Funktion. Nämlich die, dass sie in dem hohen weißen Schrank, der gleichfalls im Flur stand, an die oberen Regale kam. Mutter öffnete also oben den Schrank, und mir offenbarte sich ein Anblick, der jedem Apotheker das Gruseln gelehrt hatte: die Schrankfächer waren bis oben vollgestopft mit den Ameisengiften der letzten 50 Jahre. Schachteln, hohe und niedrige Dosen, Pulver und Tinkturen.
Mutter zog auch sachkundig ein paar giftige Pülverchen und Ameisenabschreckdosen hinaus, bot sie dem aufgelösten Putzmann an...

"Nein!", sagte ich. "Machen wir nicht! Mutter! Ich bin hier gerade eingezogen mit zwei Hunden, von denen einer noch klein ist! Hier darf es kein Gift geben! Geht Ihr zwei mal ins Wohnzimmer und trinkt Kaffee, ich mache das schon!"

Ich meine, der Befall war optisch/räumlich klar: die Ameisen nisteten unter den Steinstufen die zur hinteren Tür führten, waren außen aber nochmal um die Ecke gebogen, an eine Stelle, wo das Haus nicht mehr unterkellert war, hatten sich dort unter den Steinen hinweg durch den Putz gefressen, und kamen nun im hinteren Flur, hinter der Fußleiste aus der Wand. Von dort strömten sie in schwarzen Scharen in die Küche und hatten bereits den Esstisch und die Spüle erreicht.

Ich tat dann das, was mir richtig erschien. Ich bin in den Garten und habe alle Kräuter genommen, derer ich habhaft werden konnte, als da waren: Thymian, Rosmarin, Salbei, Liebstöckel, Lavendel, Minze, in einer Ecke keimte frischer Rainfarn, der kam hinzu.
Die Fußleiste war lose, die habe ich weggerissen, so dass ich mehrere Ameisengänge sehen konnte.
Die Kräuter habe ich grob zerschnitten und zerrissen, und über eine Länge von sicher zwei Metern so dicht ausgelegt, dass es eine kleine Barriere gab.
Die Ameisen zerstreuten sich beinahe sofort, guckten, dass sie schnell wieder in ihre Löcher kamen und wurden nicht mehr gesehen. Erfolgreich vergrämt, nennt man das.

Ich habe das bald trockene Kräuterzeug aber bis Weihnachten dort liegen lassen. Störte da ja nicht. Da konnte man auch drumherum putzen. Ich glaube, dieser lange Zeitraum ist sehr wichtig! Jedenfalls haben die Ameisen diesen Weg ins Haus dadurch aufgegeben.
Sie kamen nicht mehr wieder.

Mia
Zuletzt geändert von Mia am Fr Jun 11, 2021 23:00, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Waldameisen im Haus?

Beitrag von Carolyn » Fr Jun 11, 2021 22:44

Wenn ich Probleme mit Ameisen im Haus habe - ich habe fast jedes Jahr Ameisen im Haus, aber sie sind nicht immer ein Problem - dann verwende ich ein Mittel von Neudorff. Diese Firma hat auch viele biologische Mittel für Pflanzenschutz und Co. im Angebot, dieses hier ist es aber wohl nicht. Aber an das Mittel können bei sachgerechter Anwendung keine neugierigen Katzen- oder Hundezungen dran kommen. Und es funktioniert zuverlässig, ggf. kann man das Buffet ja auch ein zweites Mal füllen. Man muss es halt nur in unmittelbare Nähe zu einer Ameisenstraße stellen, damit die Ameisen es auch finden.

https://www.neudorff.de/produkte/loxira ... uffet.html
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Re: Waldameisen im Haus?

Beitrag von Mia » Fr Jun 11, 2021 23:07

Na, bei mir sind sie bis nach dem Tod meiner Mutter (2013 ) fort geblieben. Da war sie 93.
Im Jahr darauf habe ich das Haus verkauft.

Edit, später:
Wobei es mich tatsächlich auch überrascht hat, dass simple Kräuter so wirksam sein können.
Ich habe nicht wirklich damit gerechnet. Mit dem situativen Verscheuchen schon, aber nicht mit dem dauerhaften Wegbleiben.
Das war ein Zufallsergebnis.

Mia
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Re: Waldameisen im Haus?

Beitrag von admin » Mo Jun 14, 2021 21:07

Hallo zusammen
Danke für Eure zahlreichen Antworten, Tipps, und Stories :grin: :hallo:
Ich habe heute mit der Dame gesprochen, sie liest mit und dankt Euch :razz:
Grüsse vom Admin
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